Second Brain mit KI: So bringst du Claude und ChatGPT dein Business bei

Second Brain mit Claude und ChatGPT: ein leuchtendes Gehirn, verbunden mit fünf Wissensdateien über dein Business

SOLONAUT.AI · 3. Oktober 2026

Second Brain aufbauen: Die KI-Anleitung ohne Technik

Kennst du das? Du bittest Claude oder ChatGPT um einen Angebotstext und bekommst etwas, das auf jedes Business der Welt passen würde. Also erklärst du zum fünfzigsten Mal, was du anbietest, für wen, zu welchem Preis und wie du klingst. Morgen geht das Spiel von vorn los. Ein Second Brain beendet das. Du bringst deiner KI dein Business einmal bei, und ab dann arbeitet sie wie jemand, der seit Monaten für dich arbeitet.

Dafür musst du nichts programmieren, keine neue App lernen und keine Dateien abtippen. Die KI interviewt dich, schreibt alles selbst auf und hält es danach aktuell. Eine Stunde reicht. Eine einfache Variante klappt sogar im Gratis-Tarif.

Die Kurzantwort: Fünf kurze Dateien über dein Business bringen den größten Teil des Effekts. Wer täglich mit KI arbeitet, legt sie in einem Arbeitsordner auf dem eigenen Rechner ab, den Claude selbst anlegt und pflegt: ein Prompt, ein Interview, eine Stunde, ab Claude Pro. Wer KI nur gelegentlich nutzt, kommt mit einem Projekt in Claude oder ChatGPT aus, auch kostenlos. In beiden Fällen gilt: Du erzählst, die KI schreibt.

Was bringt dir ein Second Brain mit KI?

Für Selbstständige ist der Nutzen sehr handfest:

  • Schluss mit Romanen im Prompt. Statt fünf Zeilen Hintergrund schreibst du: „Angebot für Paket 2.“ Den Rest weiß die KI.
  • Die Preise stimmen. Ohne Second Brain erfindet die KI Preise oder rechnet mit veralteten. Mit Second Brain nimmt sie deine aktuelle Preisliste.
  • Es klingt nach dir. Die KI kennt echte Texte von dir und schreibt in deinem Ton statt im üblichen Werbesprech.
  • Einmal entschieden heißt entschieden. Wenn du keine Rabatte gibst oder kein TikTok machst, steht das drin. Die KI schlägt es dir nicht alle zwei Wochen wieder vor.
  • Kein Vorspann mehr. Heute beginnt fast jeder neue Chat damit, dass du erst einmal erklärst, wer du bist und was du anbietest. Dieser Vorspann fällt weg, beim Newsletter genauso wie bei der Kundenmail.

Wie groß der Unterschied ist, zeigt die Beispieltabelle weiter unten: Aus Prompts mit fünf Zeilen Erklärung wird ein einziger Satz.

Was ist ein Second Brain?

Ein Second Brain ist ein digitaler Ort, an dem festgehalten ist, was du über dein Business weißt und entschieden hast. Früher hast du darin selbst nachgeschlagen. Heute liest vor allem deine KI darin, bevor sie für dich arbeitet.

Den Begriff hat der US-Produktivitätsberater Tiago Forte bekannt gemacht.[1] Sein ursprüngliches Ziel war ein gut sortiertes Notizarchiv. Nach dem Start von ChatGPT Ende 2022 hat er seinen Kurs in der alten Form eingestellt und lehrt 2026 ein Programm namens „AI Second Brain“.[2] Den Kern nennt er „Personal Context Management“: der KI die richtigen Informationen im richtigen Format zur richtigen Zeit zu geben.

Den zweiten Schub gab Andrej Karpathy, Mitgründer von OpenAI und früher KI-Chef bei Tesla. Am 4. April 2026 veröffentlichte er auf GitHub eine kurze Beschreibung namens „LLM Wiki“, ganz ohne Code.[3] Innerhalb von zwei Tagen sammelte sie Tausende Sterne.[4] Seine Beobachtung: An einer Wissenssammlung ist nicht das Denken mühsam, sondern die Pflege, also Zusammenfassungen schreiben, Querverweise setzen, Veraltetes aufspüren. Diese Arbeit soll die KI übernehmen.

Für dich heißt das: Früher musstest du dein Wissen selbst wiederfinden. Heute muss deine KI es finden. Deshalb kommt es nicht auf die perfekte App an, sondern darauf, dass die wichtigsten Fakten über dein Business an einer Stelle liegen, an der die KI sie liest. Wer wissen will, wie die klassische Methode aussieht, findet sie weiter unten im aufklappbaren Kasten.

Keine Angst vor Dateien: Du erzählst, die KI schreibt

An dieser Stelle steigen viele innerlich aus, weil sie an stundenlanges Ausfüllen von Vorlagen denken. Das musst du nicht. Du schreibst keine einzige Datei selbst. Such dir einen von drei Wegen aus:

  1. Interview: Die KI stellt dir Fragen, eine nach der anderen. Du antwortest, wie du sprichst. Am Ende schreibt sie die fertige Datei.
  2. Gedanken abladen: Du schreibst einfach drauflos, unsortiert, mit Tippfehlern, in Stichpunkten. Die KI macht daraus eine saubere Datei.
  3. Sprachnachricht: Du sprichst zehn Minuten in die Diktierfunktion der Claude- oder ChatGPT-App, etwa beim Spazierengehen. Die KI ordnet das Gesagte.

Und du brauchst kein Extra-Tool. Es gibt eigene Second-Brain-Apps und viele Anleitungen mit Obsidian oder Notion. Für den Anfang reichen die Hausmittel, die Claude und ChatGPT ohnehin mitbringen, und ein paar Minuten Zeit.

Gedächtnis, Projekte, Arbeitsordner: Was Claude und ChatGPT schon mitbringen

Beide Assistenten haben drei Bausteine eingebaut. Sie unterscheiden sich vor allem darin, wie viel Kontrolle du darüber hast, was die KI weiß.

ClaudeChatGPT
Gedächtnis aus Chatsalle Tarife, auch Free; in den Einstellungen einsehbar und löschbar[5]alle Tarife; im Gratis-Tarif eingeschränkt[6]
Suche in früheren Chatsnur bezahlte Tarife (Schalter „Chats durchsuchen und heranziehen“); nur auf ausdrückliche Bitte, in Projekten nur innerhalb des Projekts[5]über das Gedächtnis, Umfang je nach Tarif
Projekte mit eigenen Dateien und Anweisungalle Tarife; Free höchstens 5 Projekte[7]alle Tarife seit September 2025[6]
Dateien pro Projektkein festes Dateilimit, begrenzt durch die Textmenge; bezahlte Tarife fassen bis zu zehnmal mehr[7]Free 5, Plus und Go 25, Pro und Business 40[6]
Arbeitsmodus mit Zugriff auf OrdnerCowork oder Claude Code, in bezahlten TarifenChatGPT Work, ab Plus
Bezahlter EinstiegstarifPro 22,00 € im Monat inkl. MwSt.Plus 23 € im Monat

Zur Suche in alten Chats: Claude sucht nicht von allein. Du musst ausdrücklich fragen („Was hatten wir letzte Woche zum Newsletter besprochen?“). In einem Projekt durchsucht Claude nur die Chats dieses Projekts.[5] Sitzungen in Claude Code sind keine normalen Chats und tauchen in dieser Suche nicht auf. Wer die Funktion vermisst, stößt meist an eine dieser Grenzen. Für ein Second Brain spielt das keine große Rolle: Dort stehen die wichtigen Fakten in Dateien, nicht in alten Chats.

Das Gedächtnis ist bequem, entscheidet aber selbst, was es behält. Ein Projekt enthält genau die Dateien, die du hineinlegst, ändern kann die KI sie dort aber nicht. Die volle Kontrolle hast du mit einem Arbeitsordner, in dem die KI ihre Dateien selbst schreibt und pflegt. Wer zwischen den beiden Assistenten schwankt, findet die Unterschiede im Detail in unserem Vergleich Claude vs. ChatGPT.

Drei Stufen zum Second Brain mit KI: Gedächtnis, Projekt mit fünf Kerndateien, Arbeitsordner mit Wiki

Welche Stufe passt zu dir? Nutzt du KI nur ab und zu, reichen Stufe 1 und 2, beide kostenlos. Arbeitest du täglich mit KI, nimm Stufe 3. Dort pflegt die KI ihr Wissen selbst, und du kopierst nie wieder Dateien zwischen Chat und Festplatte hin und her. Stufe 1 lohnt sich in beiden Fällen, sie dauert nur fünf Minuten.

Stufe 1 (5 Minuten, kostenlos): Gedächtnis aufräumen

Diese Stufe kostet nichts, und den Unterschied merkst du schon im nächsten Chat.

Bei Claude:

  1. Öffne die Einstellungen und dort den Bereich „Speicher“. Hier liegt das Gedächtnis.
  2. Prüfe, ob „Gedächtnisgenerierung aus Chats“ eingeschaltet ist. Bei Free, Pro und Max ist es das standardmäßig.[5] In bezahlten Tarifen gibt es zusätzlich „Chats durchsuchen und heranziehen“.
  3. Lass „Sensible Themen im Gedächtnis“ für die Arbeit ausgeschaltet. Gesundheit oder Religion haben im Arbeitsgedächtnis nichts verloren.
  4. Darunter siehst du, was Claude sich gemerkt hat, sortiert nach Bereichen wie „Du“, „Themen“, „Lebensbereiche“ und „Personen“. Lies es durch und korrigier oder lösch, was nicht stimmt.
  5. Hast du vorher mit ChatGPT gearbeitet, nimm „Erinnerungen von anderen KI-Anbietern importieren“. Claude gibt dir einen Prompt, mit dem du dein ChatGPT-Gedächtnis ausliest und herüberholst.
  6. Schreib Claude in einem neuen Chat drei bis fünf Sätze über dich: was du machst, für wen, Du oder Sie, wie du klingst. Bitte darum, sich das zu merken.

Bei ChatGPT findest du das Gedächtnis unter Einstellungen → Personalisierung. Dort gibt es zusätzlich ein Feld für „benutzerdefinierte Hinweise“, in das dieselben Sätze passen.

Was nicht hinein gehört: Kundennamen, Gesundheitsdaten, Passwörter, Kontonummern. Mehr dazu im Datenschutz-Abschnitt.

Stufe 1 hat eine Grenze: Das Gedächtnis entscheidet selbst, was es behält. Deine Preisliste oder deinen Schreibstil gibt es nur bruchstückhaft wieder. Dafür brauchst du die fünf Dateien aus Stufe 2 oder 3.

Stufe 2 (1 Stunde, kostenlos): Ein Business-Projekt für Gelegenheitsnutzer

In dieser Stufe entstehen die fünf Dateien, die das Herz jedes Second Brains sind. Stufe 2 hat allerdings einen Haken: Die KI kann die Dateien im Projekt nicht selbst ändern. Jede Neuerung kopierst du von Hand aus dem Chat zurück ins Projekt, und dabei wird schnell etwas vergessen oder landet in der falschen Fassung. Wer KI nur gelegentlich nutzt, kommt damit gut zurecht. Wer täglich damit arbeitet, liest hier die fünf Dateien und springt dann zu Stufe 3.

Du legst ein Projekt an (in Claude in der Seitenleiste unter „Projekte“, in ChatGPT über „Neues Projekt“) und legst fünf Dateien hinein. Eine einfache Textdatei oder ein Word-Dokument genügt, schön muss nichts sein.

Die fünf Dateien

Diese fünf Dateien gelten für Stufe 2 und Stufe 3 gleichermaßen. Die Gerüste zeigen, was in jede Datei gehört. Du füllst sie nicht selbst aus, die KI tut das nach deinem Interview oder deiner Sprachnachricht. Die Gerüste sind nur dazu da, dass du weißt, worum es geht.

1. Business-Profil: wer du bist und was dein Business ausmacht.

# Business-Profil
Was ich mache (1 Satz):
Für wen (Branche, Situation, Problem):
Was mich von anderen unterscheidet:
Wo ich arbeite (Region, online oder vor Ort):
Du oder Sie:
Was ich nie tun oder anbieten würde:

2. Angebote und Preise: damit die KI nie wieder Preise erfindet.

# Angebote & Preise (Stand: MM/JJJJ)
Angebot 1: Name · Preis · Dauer/Umfang · für wen · was enthalten ist
Angebot 2: …
Häufige Fragen zu Preisen und meine Standardantwort:
Was ich nicht anbiete (und wohin ich dann verweise):

3. Wunschkunden: Hier geht es nicht um dich, sondern um die Menschen, die bei dir kaufen sollen. Stell dir deine liebste Kundin oder deinen liebsten Kunden vor und beschreib diese Person. Keine echten Namen, ein typisches Bild reicht.

# Wunschkunden (die Menschen, für die ich arbeite, nicht ich selbst)
Wer ist mein typischer Kunde? (Alter, Beruf, Lebenssituation):
Welches Problem hat er, wenn er zu mir kommt?:
Wie beschreibt er das Problem in seinen eigenen Worten?:
Was hat er schon ausprobiert, bevor er mich gefunden hat?:
Welche Einwände höre ich von ihm oft, und was antworte ich?:
Wer passt nicht zu mir?:

4. Schreibstil mit Beispielen: die Datei mit dem größten Effekt.

# Mein Schreibstil
3 Wörter für meinen Ton:
Wörter und Floskeln, die ich nie benutze:
Satzlänge / Emojis / Anrede:
Beispiel 1 (echter Text von mir, z. B. Newsletter-Absatz):
Beispiel 2 (echte Kundenmail von mir, ohne Namen):
Beispiel 3 (Social-Post oder Angebotstext):

Hier reicht es, drei echte Texte von dir einzufügen. Die KI leitet deinen Stil daraus selbst ab, und das klappt besser als jede Beschreibung.

5. Entscheidungs-Log: was du einmal entschieden hast und nicht wieder diskutieren willst.

# Entscheidungs-Log
TT.MM.JJJJ · Entscheidung · Grund
Beispiel: 12.03.2026 · Keine Rabatte über 10 % · entwertet das Angebot, zieht Schnäppchenjäger an

So lässt du die Dateien schreiben

Kopier diesen Prompt in einen neuen Chat. Er funktioniert mit Interview, Gedankenstrom oder Sprachnachricht:

Du hilfst mir, ein Business-Profil für meine KI-Projekte zu schreiben.
Ich kann dir auf zwei Arten Material geben:
(a) Du stellst mir bis zu 10 Fragen, immer nur eine pro Nachricht, und hakst nach,
    wenn meine Antwort vage ist.
(b) Ich schicke dir einen unsortierten Text oder eine Sprachnachricht. Dann frag
    nur nach dem, was noch fehlt.
Wenn du genug weißt, schreib das Profil nach dieser Struktur:
Was ich mache · Für wen · Unterschied · Region · Anrede · Was ich nie anbiete.
Schreib in meinen Worten, nicht in Werbesprache. Keine Kundennamen.
Frag mich zuerst, ob ich (a) oder (b) möchte.

Für die anderen vier Dateien tauschst du nur die Überschrift und die Struktur aus. Die erste Datei steht nach etwa zehn Minuten. Die KI gibt dir den fertigen Text aus, du speicherst ihn als Datei und lädst ihn ins Projekt.

Noch schneller geht es mit dem Second-Brain-Starter. Ein einziger Prompt führt dich in 45 bis 90 Minuten durch alle fünf Dateien, analysiert deinen Schreibstil aus deinen eigenen Texten, zeigt dir zwei fertig ausgefüllte Beispiel-Sets und richtet mit dir den Arbeitsordner (Stufe 3) oder das Projekt (Stufe 2) ein. Die Pflegeregeln aus unserem eigenen System sind schon eingebaut.

Die Projektanweisung

Jedes Projekt hat ein Feld für Anweisungen, die in jedem Chat gelten. Diese Zeilen reichen:

Du arbeitest für mein Business. Nutze die Projektdateien als Grundlage.
Preise und Angebote nur aus "Angebote & Preise". Erfinde keine.
Schreib im Stil aus "Mein Schreibstil".
Schlag nichts vor, was im Entscheidungs-Log verworfen ist.
Fehlt dir eine Information, frag nach, statt zu raten.
Wenn ich "Feierabend" schreibe: Sag mir, was sich in diesem Chat geändert hat,
das in meine Dateien gehört, und gib mir die geänderten Dateien komplett aus.

Die vorletzte Zeile sorgt dafür, dass die KI Lücken meldet, statt sie mit Allgemeinplätzen zu füllen. Die letzte hält dein Second Brain aktuell, dazu gleich mehr.

Stufe 3 (empfohlen bei täglicher Nutzung): Ein Arbeitsordner, der sich selbst pflegt

Das ist der Weg, den wir empfehlen, sobald du KI täglich nutzt, und der Weg, auf dem solonaut.ai selbst läuft. Statt Dateien zwischen Chat und Festplatte hin und her zu kopieren, arbeitet die KI direkt in einem Ordner auf deinem Rechner. Sie legt die Dateien an, liest sie zu Beginn jeder Sitzung und aktualisiert sie am Ende selbst. Nichts wird vergessen, nichts landet in der falschen Fassung. Voraussetzung ist ein bezahlter Tarif, bei Claude ab Pro für 22 € im Monat. Einrichten musst du nichts von Hand, das erledigt ein einziger Prompt.

Aufbau eines Second-Brain-Arbeitsordners nach Karpathy: Rohquellen, Wiki, Betriebsanleitung, Inhaltsverzeichnis und Logbuch
TeilWas drin liegtWer schreibt
rohquellen/Gesprächsnotizen, PDFs, Transkripte, Artikeldu legst sie ab
wiki/kurze Themendateien, je ein Thema, untereinander verlinkt; darunter deine fünf Kerndateiendie KI
CLAUDE.mdBetriebsanleitung: wer du bist, wie die KI ablegt, was sie nie tutdie KI nach deinem Interview
index.mdein Satz pro Wiki-Datei, damit die KI schnell findetdie KI
log.mdwas wann hinzukam oder geändert wurdedie KI

Welches Werkzeug? Du brauchst eine KI, die direkt in Ordnern auf deinem Rechner arbeiten darf. Bei Claude gibt es dafür zwei Wege, beide in den bezahlten Tarifen und beide in der Desktop-App: Claude Cowork und Claude Code. Beide greifen auf deine Ordner zu und arbeiten mit derselben Technik im Hintergrund. Cowork ist auf Büroarbeit zugeschnitten, also Dokumente, Tabellen, Präsentationen und Recherchen. Claude Code ist für Softwareentwicklung gebaut und kann zusätzlich Programme schreiben und ausführen, was etwa beim Umbauen vieler Dateien auf einmal oder beim Erstellen von Grafiken hilft. Für ein Second Brain funktionieren beide. Das Second Brain hinter solonaut.ai läuft über Claude Code. Bei ChatGPT heißt der vergleichbare Arbeitsmodus ChatGPT Work.

Der Schnellstarter-Weg: Du legst einen leeren Ordner an, gibst Cowork oder Claude Code Zugriff darauf und kopierst diesen Prompt hinein. Den Rest erledigt die KI.

Richte in diesem Ordner ein Second Brain für mein Business ein.
1. Leg die Unterordner rohquellen/ und wiki/ sowie die Dateien CLAUDE.md,
   index.md und log.md an.
2. Interview mich, eine Frage pro Nachricht, für fünf Dateien in wiki/:
   Business-Profil, Angebote & Preise (mit Datum), Wunschkunden (die Menschen,
   die bei mir kaufen), Schreibstil (bitte mich um 3 echte Texte von mir),
   Entscheidungs-Log. Ich darf auch unsortiert oder per Sprachnachricht antworten.
3. Schreib in CLAUDE.md diese Regeln:
   - Lies zu Beginn jeder Sitzung CLAUDE.md und index.md.
   - Jede Information steht an genau einer Stelle. Andere Dateien verweisen
     nur darauf.
   - Zahlen, die sich ändern (Preise, Termine, Kontingente), immer mit Datum.
   - Am Ende jeder Sitzung und nach jedem erreichten Ziel: neue Erkenntnisse
     in die passende wiki-Datei schreiben, index.md und log.md nachziehen.
   - Keine Kundennamen, Gesundheits- oder Finanzdaten in wiki/.
4. Wenn ich neue Dateien in rohquellen/ lege und "einlesen" sage: fass sie
   im Wiki zusammen und aktualisiere den Index.
Fang mit Schritt 1 an und frag mich dann die erste Frage.

Der Ordner hat noch einen Vorteil: Er gehört dir. Du kannst ihn jederzeit mit einer anderen KI weiterverwenden. Wer regelmäßig Gesprächsnotizen erzeugt, findet in unseren Artikeln zum Protokoll schreiben und zur Meeting-Transkription den Weg, auf dem neue Rohquellen entstehen.

Noch bequemer mit einem Skill: Die Pflegeregel aus dem Prompt kannst du zusätzlich als Claude Skill festhalten, also als fest hinterlegte Arbeitsanweisung, die Claude auf ein Stichwort hin oder nach jedem erreichten Ziel ausführt. Dann trägt Claude nicht nur ein, was in der Sitzung neu war, sondern prüft auch, ob irgendwo zwei Dateien Unterschiedliches behaupten. So machen wir es bei solonaut.ai, mehr dazu in der Werkstatt.

Braucht man mit Claude Fable 5 überhaupt noch ein Second Brain?

Seit Anthropic im Sommer 2026 das Modell Claude Fable 5 herausgebracht hat, liest man öfter, lange Anweisungsdateien seien überflüssig geworden. Ein viel geteilter Beitrag auf X berichtet, der Autor habe mit Fable 5 rund 80 Prozent seiner gesammelten Anweisungen gelöscht, und die KI sei dadurch sogar besser geworden.[8]

Das stimmt, betrifft aber nur einen Teil. Anthropic schreibt in seiner Anleitung für Fable 5 selbst, dass Anweisungen und Skills aus der Zeit älterer Modelle oft zu kleinteilig sind und die Ergebnisse verschlechtern können. Eine kurze Anweisung ersetze heute eine lange Liste von Einzelregeln.[9] In derselben Anleitung empfiehlt Anthropic aber ausdrücklich, Fable 5 einen Ort für Notizen zu geben, „so einfach wie eine Markdown-Datei“, weil das Modell besonders gut arbeitet, wenn es auf frühere Erkenntnisse zurückgreifen kann. Außerdem liefert es bessere Ergebnisse, wenn es den Hintergrund einer Aufgabe kennt.

Eine Studie der ETH Zürich aus dem Frühjahr 2026 kommt für Programmier-Agenten zum selben Schluss: Kontextdateien, die nur wiederholen, was die KI ohnehin selbst herausfinden kann, kosten rund 20 Prozent mehr Rechenaufwand und bringen nichts. Die Forscher raten, nur aufzuschreiben, was die KI nicht selbst ableiten kann.[10]

Für dein Business-Second-Brain heißt das: Verhaltensregeln kurz halten, Fakten behalten. Deine Preise, deine Wunschkunden, deine Entscheidungen und echte Beispieltexte kann keine KI erraten, egal wie klug sie ist. Lange Listen nach dem Muster „schreib nie X, vermeide Y, achte auf Z“ kannst du dagegen bei jedem Modellwechsel ausdünnen. Die Projektanweisung aus Stufe 2 kommt deshalb mit sieben Zeilen aus.

Brauchst du Obsidian oder Notion für ein Second Brain?

Fast jede Anleitung zu „Second Brain Claude“ führt über Obsidian, eine Notiz-App mit einer Graph-Ansicht, die Verbindungen als Netz zeigt. Das sieht eindrucksvoll aus. In der Claude-Community auf Reddit schreiben Nutzer allerdings, der Graph sei Spielerei; der Nutzen liege in gut sortierten Textdateien, und dafür reiche ein normaler Ordner.[11] Der meistbewertete Beitrag in einem weiteren Thread beschreibt genau diesen Weg: mit Obsidian gestartet, dann gemerkt, dass es auch ohne geht.[12]

Und spart Obsidian nicht Tokens? Das liest man häufig. Obsidian speichert aber ganz normale Textdateien, genau wie ein einfacher Ordner, und die KI liest beide gleich. Obsidian selbst spart also nichts. Sparsam wird es, wenn die KI nicht alles liest, sondern zuerst einen kurzen Index und danach nur die passenden Dateien. Die großen Sparzahlen, die in Anleitungen kursieren, stammen von Zusatzwerkzeugen, die genau das automatisieren, meist für Programmcode.[13] Ein selbst angelegter Ordner mit index.md wie in Stufe 3 nutzt denselben Trick.

Deine SituationWas du nutztBrauchst du Obsidian oder Notion?
Du nutzt KI nur gelegentlichein Projekt in Claude oder ChatGPT (Stufe 2)Nein. Die Dateien liegen im Projekt.
Du arbeitest täglich mit KIeinen Ordner auf deinem Rechner mit Cowork oder Claude Code (Stufe 3)Nein. Ein ganz normaler Ordner reicht, die KI legt alles selbst an.
Du willst deine Notizen selbst durchstöbern und Verbindungen als Netz sehenzusätzlich Obsidian auf demselben OrdnerOptional. Obsidian zeigt nur an, was ohnehin im Ordner liegt.
Du oder dein Team arbeitet schon in NotionNotion plus Konnektor zur KIOptional. Lohnt sich nur, wenn das Wissen sowieso dort liegt.

Unsere Empfehlung: Nimm für dein Second Brain keine neue App dazu. Obsidian kannst du jederzeit später auf denselben Ordner richten, ohne etwas umzubauen.

Warum Second Brains veralten – und wie deins aktuell bleibt

Ein Second Brain scheitert selten an der Technik. Es scheitert an drei ganz praktischen Problemen.

Problem 1: Man sammelt, aber nutzt nicht. Viele speichern fleißig Artikel und Notizen und schauen nie wieder hinein. Der Autor Alec Chambers schlägt einen einfachen Test vor: Hast du weniger als ein Fünftel deiner Notizen in den letzten drei Monaten wieder geöffnet, ist es ein Archiv, kein Werkzeug.[14] Mit KI ist dieses Problem fast gelöst, denn sie liest bei jeder Aufgabe mit.

Problem 2: Die Fakten veralten. Das ist das größere Problem. Steht in deiner Preisdatei noch der Preis vom letzten Jahr, schreibt die KI jedes Angebot damit, und zwar ohne nachzufragen. Der Anbieter Hjarni formuliert es so: Mit veralteten Daten irrt die KI mit voller Überzeugung.[15] Falsches Wissen ist schlimmer als fehlendes.

Problem 3: Zu viel auf einmal. Wer jede Notiz in jedes Gespräch packt, bekommt schwammigere Antworten. Fünf gepflegte Dateien bringen mehr als fünfzig ungepflegte.

Die Lösung: Pflege am Ende jeder Sitzung

Aktuell bleibt ein Second Brain, wenn es dort gepflegt wird, wo Neues entsteht: am Ende jeder Arbeitssitzung und nach jedem erreichten Ziel. Das empfiehlt Anthropic auch für Fable 5, das seine Erkenntnisse laufend in Notizen festhalten soll.[9] Eine feste Wochenroutine brauchst du dafür nicht.

  • In Stufe 3 (Ordner): Die KI schreibt selbst. Die Regel steht in der CLAUDE.md aus dem Schnellstarter-Prompt, ab dann passiert es automatisch.
  • In Stufe 2 (Projekt): Die KI kann die Projektdateien nicht selbst ändern. Deshalb das Stichwort „Feierabend“ in der Projektanweisung: Die KI nennt dir, was sich geändert hat, und gibt dir die neue Fassung. Du ersetzt die Datei im Projekt. Genau hier zeigt sich der Nachteil von Stufe 2: Vergisst du das Ersetzen einmal, arbeitet die KI mit dem alten Stand weiter.

Zusätzlich lohnt sich ab und zu, etwa einmal im Monat, eine Frage an die KI (oder ein Skill, der das automatisch prüft): „Welche Angaben in meinen Dateien widersprechen sich oder wirken veraltet?“ Auch bei sauberer Pflege schleichen sich Widersprüche ein, sobald dieselbe Sache an zwei Stellen steht. Wie das aussieht, zeigt unsere Werkstatt.

Aus unserer Werkstatt: das Second Brain hinter solonaut.ai

solonaut.ai wird selbst mit einem Second Brain nach Stufe 3 gebaut, im Alltag mit Claude Code. Jede Arbeitssitzung beginnt damit, dass Claude die Betriebsanleitungen und den Index liest. Stand heute:

Karpathy-TeilBei uns
Betriebsanleitungdrei CLAUDE.md-Dateien auf drei Ebenen: persönlich (62 Zeilen), alle Projekte (113 Zeilen), solonaut.ai (48 Zeilen)
Wiki146 Gedächtnisnotizen, je eine Tatsache pro Datei, untereinander verlinkt; dazu eine Strategiedatei mit 23 nummerierten Grundsatzentscheidungen
Indexeine Datei mit einem Satz pro Notiz, wird zu Beginn jeder Sitzung geladen
LogbuchSitzungsprotokoll in einer Gesamtstatus-Datei
Aufgabeneine einzige Aufgabenliste als Quelle für „offen“ und „erledigt“
RohquellenOrdner mit Entwürfen, Keyword-Daten und Recherchen

Nach jedem Meilenstein und am Ende größerer Sitzungen läuft bei uns ein eigener Claude Skill namens „status-sync“. Er trägt neue Erkenntnisse in die passenden Dateien ein, gleicht Aufgabenliste, Statusübersicht und Gedächtnisnotizen miteinander ab und meldet Widersprüche, etwa einen Artikel, der laut Aufgabenliste online ist, laut Statusübersicht aber noch in Planung. Diesen Skill haben wir gebaut, nachdem genau dieser Fehler mehrfach passiert war.

Was das bringt: Wir haben zum Beispiel entschieden, solonaut.ai nicht auf Instagram oder YouTube zu bewerben. Diese Entscheidung steht samt Begründung im Entscheidungs-Log, also schlägt Claude die Kanäle nicht mehr vor. Ein anderes Beispiel: Claude hat mich einmal mit einem falschen Vornamen angesprochen. Wir haben den richtigen Namen als eigene Notiz festgehalten, seitdem ist das nicht wieder passiert. Jeder Fehler, den die KI einmal macht, wird so zu einer Regel und wiederholt sich nicht.

Was trotzdem schiefging, und was du daraus mitnimmst:

  • Dieselbe Info an zwei Stellen. Das ist uns mehr als einmal passiert: Ein Artikel war längst online, im Status-Überblick stand er noch als „in Planung“. Gepflegt worden war nur die Aufgabenliste, nicht der Überblick. Daraus wurde unsere wichtigste Regel: Jede Information hat genau eine Stelle, an der sie gepflegt wird. Alle anderen Dateien verweisen nur dorthin. Fachleute nennen das „Single Source of Truth“.
  • Mit einer alten Kopie gearbeitet. Einmal lief die Arbeit tagelang in einer Kopie, die nicht mehr mit dem Original verbunden war. Änderungen gingen verloren. Regel: vor dem Schreiben den aktuellen Stand der echten Datei prüfen.
  • Zahlen ohne Datum. Eine Notiz behauptete, bei einem Recherche-Werkzeug seien noch drei Abfragen übrig. Es waren null. Regel: Zahlen, die sich ändern, immer mit Datum notieren.

So setzt du das bei dir um: Kopier diese drei Regeln in deine CLAUDE.md (Stufe 3) oder deine Projektanweisung (Stufe 2). Im Schnellstarter-Prompt oben sind sie schon enthalten.

Jede Information steht an genau einer Stelle. Andere Dateien verweisen nur darauf.
Zahlen, die sich ändern (Preise, Termine, Kontingente), immer mit Datum.
Bevor du eine Datei änderst, prüf ihren aktuellen Stand.

Im Second-Brain-Starter sind diese Regeln von Anfang an eingebaut, dazu ein fertiger Pflege-Skill nach dem Vorbild unseres eigenen. So machst du unsere Fehler gar nicht erst.

Datenschutz: Was in dein Second Brain gehört – und was nicht

Ein Second Brain heißt: Du gibst einem Anbieter dauerhaft Informationen über dein Business. Mit drei Regeln bleibt das im grünen Bereich.

1. Training abschalten. Anthropic nutzt Chats aus den Tarifen Free, Pro und Max zum Training, wenn du nicht widersprichst. Mit Zustimmung speichert Anthropic die Daten bis zu fünf Jahre, ohne etwa 30 Tage.[16] Den Schalter findest du unter Einstellungen → Datenschutz → „Hilf uns, unsere KI-Modelle zu verbessern“. Steht er auf aus, werden deine Chats nicht zum Training genutzt. Team-, Enterprise- und API-Zugänge sind ohnehin ausgenommen. Bei ChatGPT heißt der Schalter „Das Modell für alle verbessern“ und liegt unter Datenkontrollen.

2. Keine personenbezogenen Kundendaten in die Dateien. Deine Wunschkunden-Datei beschreibt einen Typ, keine echte Person. Beispiele aus Kundenmails machst du vorher anonym. Für Gespräche, in denen du trotzdem mit echten Fällen arbeitest, helfen Platzhalter: „Kundin A“, „Firma B“, Beträge gerundet.

3. Berufsgeheimnisse und Gesundheitsdaten bleiben draußen. Wer als Heilpraktikerin, Therapeut, Steuerberaterin oder Anwalt arbeitet, legt keine Patienten- oder Mandantendaten in ein Privatkonto, auch nicht mit abgeschaltetem Training. Dafür gibt es Business-Tarife mit Auftragsverarbeitungsvertrag. Welche KI-Tools ein deutsches Unternehmen überhaupt einsetzen darf, steht in unserem Artikel zu DSGVO-konformen KI-Tools.

Richtig ausgefüllt enthalten die fünf Dateien nur Informationen über dich und dein Angebot. Das meiste davon steht ohnehin auf deiner Webseite.

Beispiele: 4 Aufgaben, die mit einem Second Brain besser werden

So sieht der Unterschied im Alltag aus. Links der Prompt ohne Second Brain, rechts mit.

AufgabeOhne Second BrainMit Second Brain
Angebot„Schreib ein Angebot für ein 3-monatiges Ernährungscoaching für berufstätige Mütter, 890 €, sechs Termine, Du-Form, warm, ohne Druck …“„Angebot für Frau K., Paket 2.“
Newsletter„Schreib einen Newsletter-Absatz über Meal Prep. Mein Stil ist locker, kurze Sätze, keine Emojis, ich sage nie ‚Hack‘ …“„Newsletter-Absatz zu Meal Prep, Einwand ‚keine Zeit‘ aufgreifen.“
Kundenmail„Eine Interessentin fragt nach Rabatt. Ich gebe keine Rabatte über 10 %, weil …“„Antwort auf die Rabattanfrage im Anhang.“
Social-Post„Post über mein Angebot, Zielgruppe …, Ton …, Preis …“„Instagram-Post zum Start von Paket 2.“

Die rechte Spalte funktioniert, weil Preis, Paket, Ton, Zielgruppe und die Rabatt-Entscheidung in den Projektdateien stehen. Wie viel ein gutes Setup gegenüber einzelnen Prompt-Tricks bringt, zeigen wir auch in Claude für Solopreneure.

Fazit: In einer Stunde kennt deine KI dein Business

Ein Second Brain mit KI ist 2026 keine Notiz-App, sondern eine Handvoll Textdateien, die deine KI bei jeder Aufgabe liest und selbst aktuell hält. Du musst sie nicht schreiben, nur erzählen. Und du brauchst kein Extra-Tool, nur das Claude oder ChatGPT, das du schon hast.

Dein Plan:

  1. Jetzt, 5 Minuten: Den Bereich „Speicher“ aufräumen und das Training abschalten.
  2. Diese Woche, 1 Stunde: Einen leeren Ordner anlegen, Cowork oder Claude Code darauf zugreifen lassen, den Schnellstarter-Prompt hineinkopieren und das Interview führen. Nutzt du KI nur gelegentlich, nimm stattdessen ein kostenloses Projekt mit den fünf Dateien.
  3. Ab dann: Die KI pflegt ihr Wissen am Ende jeder Sitzung selbst. Im Projekt tippst du dafür „Feierabend“.

Spätestens beim ersten Angebot, das du mit einem einzigen Satz bestellst und das trotzdem nach dir klingt, weißt du, wofür sich die Stunde gelohnt hat.

Du willst direkt loslegen, ohne Prompts zusammenzubauen? Der Second-Brain-Starter führt dich per Interview durch alle fünf Dateien, richtet mit dir den Arbeitsordner samt Pflege-Skill ein und bringt die Regeln aus unserer Werkstatt gleich mit. Wer KI nur gelegentlich nutzt, richtet damit stattdessen ein kostenloses Projekt in Claude oder ChatGPT ein.

Den Gesamtüberblick, wie KI Schritt für Schritt in ein Solo-Business einzieht, findest du im KI-Fahrplan und im Einstiegs-Guide zur KI-Automatisierung.

Hintergrund: Die Second-Brain-Methode nach Tiago Forte (CODE und PARA)

Die klassische Second-Brain-Methode besteht aus zwei Teilen.[1]

CODE beschreibt, wie Wissen durch das System fließt:

  1. Capture (Sammeln): nur festhalten, was dich wirklich anspricht.
  2. Organize (Ordnen): nach dem nächsten Einsatzzweck sortieren, nicht nach Thema.
  3. Distill (Verdichten): das Wichtigste hervorheben, damit du es später in Sekunden erfasst.
  4. Express (Ausdrücken): das Gesammelte für eigene Ergebnisse nutzen, etwa für ein Angebot oder einen Artikel.

PARA beschreibt, wie du ablegst:

OrdnerBedeutungBeispiel aus einem Solo-Business
Projects (Projekte)hat ein Ziel und ein EnddatumWebseite überarbeiten bis Ende November
Areas (Bereiche)läuft dauerhaftBuchhaltung, Kundenbetreuung, Newsletter
Resources (Ressourcen)Themen, die dich interessierenPreisgestaltung, KI-Werkzeuge
ArchiveErledigtes und Pausiertesabgeschlossene Kundenprojekte

Mit KI verschiebt sich der Schwerpunkt: Sammeln, Ordnen und Verdichten übernimmt weitgehend die KI. Bei dir bleibt der letzte Schritt, aus dem Wissen etwas zu machen.

📍 Wo stehst du im KI-Fahrplan? Dieses Thema gilt für den kompletten KI-Fahrplan – in jeder der sechs Etappen.

Häufige Fragen zum Second Brain mit KI

Was ist die Second Brain Methode?

Die Second-Brain-Methode stammt von Tiago Forte. Sie besteht aus CODE (Sammeln, Ordnen, Verdichten, Ausdrücken) als Arbeitsablauf und PARA (Projekte, Bereiche, Ressourcen, Archiv) als Ablagesystem. Mit KI übernimmt die KI einen großen Teil von Sammeln, Ordnen und Verdichten.

Wie funktioniert ein Second Brain mit KI?

Du hältst an einer festen Stelle fest, was du über dein Business weißt und entschieden hast, zum Beispiel in einem Claude- oder ChatGPT-Projekt. Die KI liest diese Dateien bei jeder Aufgabe mit. Dadurch kennt sie dein Angebot, deine Preise und deinen Stil, ohne dass du alles neu erklärst.

Muss ich die Dateien selbst schreiben?

Nein. Du lässt dich von der KI interviewen, schreibst unsortiert drauflos oder sprichst eine Sprachnachricht ein. Die KI macht daraus die fertigen Dateien. Für fünf Dateien rechnest du mit etwa einer Stunde.

Welche App ist die beste für ein Second Brain?

Für ein Second Brain mit KI brauchst du keine eigene App. Wer täglich mit KI arbeitet, nimmt einen normalen Ordner auf dem Rechner, den Claude Cowork oder Claude Code selbst pflegt. Für gelegentliche Nutzung reicht ein Projekt in Claude oder ChatGPT. Obsidian oder Notion lohnen sich nur, wenn du ohnehin darin arbeitest.

Brauche ich Obsidian für ein Second Brain mit Claude?

Nein. Obsidian speichert normale Textdateien, die Claude auch in einem Projekt oder einem einfachen Ordner lesen kann. Tokens spart Obsidian allein nicht; sparsam wird es durch einen Index, den du auch ohne Obsidian anlegen kannst.

Kann ich ein Second Brain mit ChatGPT statt Claude bauen?

Ja. ChatGPT hat ebenfalls Projekte mit eigenen Dateien und Anweisungen, im Gratis-Tarif mit bis zu fünf Dateien pro Projekt. Die fünf Dateien und die Projektanweisung aus diesem Artikel funktionieren in beiden Assistenten.

Geht ein Second Brain mit KI kostenlos?

Ja. Stufe 1 (Gedächtnis) und Stufe 2 (Projekt mit fünf Dateien) funktionieren in den Gratis-Tarifen von Claude und ChatGPT. Claude Free erlaubt bis zu fünf Projekte, ChatGPT Free fünf Dateien pro Projekt. Für den sich selbst pflegenden Arbeitsordner (Stufe 3), den wir bei täglicher Nutzung empfehlen, brauchst du bei Claude einen bezahlten Tarif ab 22 € im Monat.

Brauche ich mit Claude Fable 5 noch ein Second Brain?

Ja, aber ein schlankeres. Lange Verhaltensregeln kannst du mit Fable 5 stark kürzen, das empfiehlt Anthropic selbst. Fakten wie Preise, Wunschkunden, Entscheidungen und Beispieltexte kann aber keine KI erraten. Anthropic rät sogar ausdrücklich, Fable 5 einen Ort für Notizen zu geben.

Was ist Karpathys LLM-Wiki?

Das LLM-Wiki ist ein Konzept, das Andrej Karpathy am 4. April 2026 auf GitHub veröffentlicht hat. Rohquellen bleiben unverändert, die KI schreibt daraus ein verlinktes Wiki, und eine Betriebsanleitung wie CLAUDE.md legt die Regeln fest. Die KI übernimmt damit die Pflegearbeit.

Ist ein Second Brain mit KI DSGVO-konform?

Das hängt vom Inhalt ab. Informationen über dich und dein Angebot sind unkritisch. Personenbezogene Kundendaten, Gesundheits- oder Mandantendaten gehören nicht in ein Privatkonto. Schalte außerdem das Training mit deinen Chats in den Datenschutz-Einstellungen ab.

Wie halte ich mein Second Brain aktuell?

Am besten am Ende jeder Arbeitssitzung. Im Arbeitsordner (Stufe 3) schreibt die KI Neues selbst in die Dateien, zum Beispiel per Pflegeregel in der CLAUDE.md oder mit einem eigenen Skill. Im Projekt (Stufe 2) gibt sie dir die geänderten Dateien zum Austauschen. Ab und zu lohnt sich zusätzlich die Frage, welche Angaben sich widersprechen oder veraltet wirken.

Quellen

  • [1]: Tiago Forte: „Building a Second Brain: The Definitive Introductory Guide“, fortelabs.com, aktualisiert November 2023.
  • [2]: Forte Labs: „AI Second Brain“, buildingasecondbrain.com/ai-second-brain, und Forte-Labs-Hilfecenter, abgerufen 30.09.2026.
  • [3]: Andrej Karpathy: „llm-wiki“, GitHub Gist, erstellt 04.04.2026, gist.github.com/karpathy/442a6bf555914893e9891c11519de94f.
  • [4]: Kunal Ganglani: „LLM Wiki Setup: Karpathy’s Knowledge Base“, kunalganglani.com, 2026.
  • [5]: Anthropic Help Center: „Using Claude’s chat search and memory to build on previous context“, support.claude.com, abgerufen 30.09.2026.
  • [6]: OpenAI: Projekte für Free-Nutzer seit 03.09.2025, berichtet von tech.co und storyboard18.com; Dateilimits laut OpenAI-Hilfecenter (help.openai.com, „Using Projects in ChatGPT“).
  • [7]: Anthropic Help Center: „What are projects?“, support.claude.com, abgerufen 30.09.2026.
  • [8]: @masahirochaen auf X, 05.07.2026, zitiert nach youmind.com („Claude Code Second Brain Guide“).
  • [9]: Anthropic: „Prompting Claude Fable 5″, platform.claude.com/docs, Abschnitte „Strong instruction following“, „Construct a memory system“, „Give the reason, not only the request“, „Recommended scaffolding changes“, abgerufen 01.10.2026.
  • [10]: Gloaguen, Mündler, Müller, Raychev, Vechev (ETH Zürich): Studie zu Kontextdateien für Programmier-Agenten, 2026; zusammengefasst von InfoQ, März 2026.
  • [11]: Reddit r/ClaudeAI: „I don’t get the hype behind Claude + Obsidian“, Stand Juli 2026.
  • [12]: Reddit r/ClaudeAI: „How are you using Claude as your Second Brain?“, Stand September 2026.
  • [13]: Beispiel: Projekt „claude-code-memory-setup“ (Graphify + Obsidian) auf GitHub; Einsparung über einen Wissensgraphen und Kurzzusammenfassungen, Zahlen vom Entwickler selbst, für Programmcode gemessen.
  • [14]: Alec Chambers: toolsforhumans.ai, 13.04.2026.
  • [15]: Hjarni: „Why isn’t your AI second brain working?“, hjarni.com (Anbieter eines Second-Brain-Werkzeugs).
  • [16]: Anthropic: Aktualisierung der Verbraucherbedingungen und Datenschutzrichtlinie, 2025; berichtet u. a. von heise online (08/2025) und Tom’s Guide.

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