Webseite mit KI erstellen: Welcher von vier Wegen passt zu dir?

Webseite mit KI erstellen – vier Wege im Vergleich

SOLONAUT.AI · 27.08.2026

Eine Agentur nennt dir 3.000 bis 8.000 Euro. Ein Baukasten verspricht die fertige Seite in 30 Minuten. Beides ist geschönt – und keins von beidem beantwortet die Frage, die du eigentlich hast: Was davon passt zu mir?

Denn wenn du eine Webseite mit KI erstellen willst, findest du überall dieselbe Antwort: eine Liste mit zwanzig Werkzeugen und die Aufforderung, dir selbst das passende auszusuchen. Nur ist das die falsche erste Frage. Wer bei „welcher Baukasten?“ anfängt, überspringt die Entscheidung, die wirklich zählt – welcher Weg zur eigenen Lage passt, und ob Selbermachen überhaupt der richtige Plan ist.

Deshalb hier die umgekehrte Reihenfolge: sieben Fragen, vier Wege, eine Entscheidung. Mit ehrlichen Zeit- und Kostenangaben, mit dem Unterschied zwischen „die KI erklärt es dir“ und „die KI macht es für dich“ – und mit dem Teil, den fast jede Anleitung weglässt, der in Deutschland aber Pflicht ist.

Am Ende weißt du, welchen Weg du gehst. Das dauert fünf Minuten Lesezeit.

Inhaltsverzeichnis

Warum die Werkzeugfrage die falsche erste Frage ist

Such einmal nach „KI Website erstellen“. Was du findest, sind Vergleichslisten mit zehn, zwanzig oder zweiunddreißig Anbietern. Fast alle stammen von Stellen, die ein Interesse am Ergebnis haben: Baukasten-Anbieter, die eine Anmeldung wollen. Vergleichsportale, die pro Klick auf einen Anbieter verdienen. Agenturen, die eigentlich den Auftrag wollen.

Das macht diese Inhalte nicht wertlos – aber es erklärt, warum sie alle dieselbe Grundannahme teilen: dass du selbst bauen willst und nur noch das Werkzeug fehlt. Genau diese Annahme ist bei einem beträchtlichen Teil der Leser falsch.

In der Praxis scheitern Webseiten-Projekte von Selbstständigen selten am Werkzeug. Sie scheitern an drei anderen Dingen:

  1. Der Umfang passt nicht zur verfügbaren Zeit. Jemand nimmt sich WordPress vor, hat aber realistisch vier Abende – und gibt nach dem zweiten auf.
  2. Die Texte fehlen. Die Technik steht nach einem Wochenende, die Seite geht trotzdem sechs Monate nicht online, weil niemand die Texte geschrieben hat.
  3. Das Rechtliche wird nachgeschoben – und dann gar nicht gemacht.

Keines dieser drei Probleme löst ein besseres Werkzeug. Deshalb die andere Reihenfolge: erst die Lage klären, dann den Weg wählen.

Was eine Webseite wirklich kostet

Bevor wir über Wege reden, die ehrlichen Zahlen. Sie sind der Grund, warum so viele Solopreneure überhaupt über Selbermachen nachdenken.

WegEinmaligLaufend
Agenturca. 3.000–8.000 € für kleine Unternehmen, nach oben offenWartung je nach Vertrag
Freelancerab ca. 1.500 €, oft 80 €/Stundenach Aufwand
Baukasten selbst0 €ca. 10–30 €/Monat
WordPress selbst0 €ca. 5–15 €/Monat Hosting
Domain (immer)ca. 10–20 €/Jahr*

* Achte beim Buchen auf den Preis ab dem zweiten Jahr. Viele Anbieter werben mit Centbeträgen fürs erste Jahr und verlangen danach ein Vielfaches.

Der Sprung zwischen „machen lassen“ und „selbst machen“ ist also nicht ein paar hundert Euro, sondern ein Faktor. Genau deshalb lohnt es sich, die Entscheidung bewusst zu treffen statt aus Reflex.

Wichtig ist dabei die zweite Währung: deine Zeit. Selbermachen kostet je nach Weg fünf bis zwanzig Stunden. Wer 3.000 € spart und dafür zwanzig Stunden investiert, hat rechnerisch 150 € pro Stunde verdient – ein sehr guter Stundensatz für die meisten. Wer aber zwanzig Stunden investiert und nach zwölf entnervt aufgibt, hat nichts gespart und zwölf Stunden verloren. Die realistische Selbsteinschätzung ist deshalb kein Nebenaspekt, sondern der Kern der Entscheidung.

Webseite mit KI erstellen: die vier Wege

Es gibt nicht zwanzig Wege, eine Webseite mit KI zu erstellen, sondern vier. Die zwanzig Werkzeuge aus den Vergleichslisten verteilen sich auf genau diese vier.

Weg A — No-Code-KI-Baukasten

Du beschreibst dein Geschäft, die KI baut einen ersten Entwurf, du passt ihn an. Anbieter: Durable, Wix ADI, Jimdo, IONOS MyWebsite, Hostinger AI.

  • Aufwand: 3–6 Stunden fürs Bauen, rund 5–8 Stunden insgesamt — Texte, Rechtliches und der Start-Check kommen dazu
  • Passt bei: wenig oder keinem Technikvorwissen, 1–5 Seiten, wenig Zeit, wenn die Seite schlank bleiben darf
  • Größter Nachteil: wenig Kontrolle über Struktur und Google-Sichtbarkeit. Bei US-Anbietern liegen Daten teilweise außerhalb der EU. Und ein späterer Wechsel zu einem anderen System ist mühsam bis unmöglich – du kannst die Seite in der Regel nicht mitnehmen.

Weg B — WordPress mit einem KI-Assistenten

Du nutzt ChatGPT oder Claude als Bau-Copiloten und richtest WordPress bei einem deutschen oder EU-Hoster ein. Die KI erklärt dir jeden Schritt, schreibt Texte und hilft bei Problemen.

  • Aufwand: 15–20 Stunden für die erste Version. Ehrlich gerechnet, nicht schöngerechnet.
  • Passt bei: Wachstumsplänen über Google und Blog, mittlerem Vorwissen oder echter Zeitbereitschaft, wenn Datenschutz wichtig ist
  • Größter Nachteil: Updates, Backups und Sicherheit bleiben dauerhaft deine Aufgabe. Das sind vielleicht zehn Minuten im Monat – aber eben jeden Monat.
  • Der Vorteil, der oft unterschätzt wird: Es gehört dir. Du kannst den Hoster wechseln und die Seite mitnehmen.

Weg C — Design-Tool

Framer, Claude Design und ähnliche Werkzeuge erzeugen gestalterisch starke Seiten.

  • Aufwand: 5–10 Stunden fürs Bauen, rund 8–13 Stunden insgesamt
  • Passt bei: Portfolio- und Showcase-Charakter, wenig Fließtext, hohem gestalterischem Anspruch
  • Größter Nachteil: Für textlastige, auf Google ausgerichtete Seiten ist das das schwächste der vier Werkzeuge.

Weg D — Behalten, was du hast, und die Inhalte verbessern

Der Weg, den kaum jemand empfiehlt, weil daran niemand verdient. Wenn schon ein Baukasten läuft und du im Grunde zufrieden bist, ist ein Neubau meist Zeitverschwendung.

  • Aufwand: rund 4–6 Stunden
  • Passt bei: bestehender Seite, mit der du grundsätzlich zurechtkommst
  • Größter Nachteil: keiner. Das ist häufig die wirtschaftlich klügste Antwort.

Der Grund: Die meisten Seiten scheitern nicht an der Technik, sondern am Inhalt. Eine Seite, bei der in fünf Sekunden klar wird, was du für wen tust, und auf der steht, was der Besucher als Nächstes tun soll, schlägt eine technisch perfekte Seite ohne diese beiden Dinge.

Anleiten lassen oder machen lassen? Der Unterschied, den kaum jemand erwähnt

Bevor es zu den sieben Fragen geht, noch eine Entscheidung, die den Aufwand stärker beeinflusst als die Wahl des Baukastens – und über die fast nirgends geschrieben wird.

Variante 1: Die KI erklärt, du klickst

So arbeiten die kostenlosen Zugänge von ChatGPT und Claude. Du beschreibst dein Problem, die KI antwortet mit einer Anleitung: „Geh im Menü links auf Einstellungen, dann auf Permalinks, dann wähle …“

Das funktioniert – hat aber einen Haken, den du kennen solltest, bevor du frustriert aufgibst: Diese Klickwege veralten schnell. WordPress, Wix und Jimdo bauen ihre Oberflächen ständig um. Menüpunkte werden umbenannt, wandern in Untermenüs oder verschwinden. Die KI beschreibt dann einen Weg, den es so nicht mehr gibt, und du suchst zehn Minuten nach einem Knopf, der woanders sitzt. Das ist der häufigste Grund, warum Leute mitten im Aufbau aufhören – nicht mangelndes Können, sondern zermürbende Sucherei.

Gegenmittel, wenn du bei dieser Variante bleibst: Sag der KI, was du auf dem Bildschirm tatsächlich siehst, statt ihre Beschreibung zu suchen. „Ich sehe links: Beiträge, Medien, Seiten, Design, Plugins“ bringt dich in zehn Sekunden weiter.

Variante 2: Die KI arbeitet selbst im Browser

Seit einiger Zeit gibt es die kostenpflichtige Alternative: Die KI klickt selbst. Sie öffnet einen Browser, meldet sich in deinem WordPress an, geht in die Einstellungen und macht die Arbeit – während du zusiehst.

So funktioniert das technisch. Entweder bringt die KI ihren eigenen Browser mit, oder sie verbindet sich mit deinem Google Chrome und arbeitet dort in einer Sitzung, in der du bereits eingeloggt bist. Bei Claude heißt die Chrome-Anbindung inzwischen Claude Cowork und läuft als Seitenleiste direkt im Browser mit; Claude Code bringt einen eigenen, abgeschotteten Browser mit. Bei OpenAI ist die Benennung gerade in Bewegung – die Browser-Fähigkeiten wandern in die ChatGPT-Desktop-App und eine Chrome-Erweiterung, Codex kann inzwischen ebenfalls Fenster bedienen. (Stand: August 2026. Bei diesen Funktionen ändern sich Namen und Zuschnitt derzeit schnell – schau im Zweifel kurz beim Anbieter nach.)

Und weil das viele Menschen zu Recht erst mal beunruhigt, die drei Dinge, die du wissen solltest:

  • Du siehst live zu. Der Browser ist offen, du beobachtest jeden Klick. Das ist kein Vorgang, der irgendwo unsichtbar abläuft.
  • Du kannst jederzeit stoppen. Ein Klick, und die KI hält an. Bei sensiblen Schritten – Anmeldung, Zahlung – hält sie ohnehin von selbst an und gibt an dich ab.
  • Du bestimmst, wo sie arbeiten darf. Du gibst einzelne Seiten frei. Ohne deine Freigabe passiert dort nichts.

Was das praktisch bringt: Genau die Klick-Sucherei aus Variante 1 fällt weg. Statt „such den Knopf, den ich dir beschreibe“ heißt es „ich mach das, schau zu“. Für alle, die sich mit Technik nicht wohlfühlen, ist das der größte einzelne Unterschied im ganzen Projekt – und es spart mehrere Stunden.

Lohnt sich das? Ein Bezahlzugang kostet rund 20 € im Monat. Wenn er dir bei einem Projekt dieser Größe drei bis fünf Stunden Sucherei erspart, hat er sich im ersten Monat bezahlt gemacht – und du kannst danach kündigen. Wem es trotzdem nicht geheuer ist: Lass es weg. Alle vier Wege in diesem Artikel funktionieren auch mit der kostenlosen Variante. Es dauert nur länger.

Die sieben Fragen, die deinen Weg bestimmen

Bevor du eine Webseite mit KI erstellen lässt, beantworte diese sieben Fragen ehrlich — dann ergibt sich der Weg fast von selbst.

  1. Was soll die Seite hauptsächlich leisten? Vertrauen aufbauen, Anfragen einsammeln, etwas verkaufen, oder über Google neue Kunden finden?
  2. Wie viele Unterseiten? Eine, drei bis fünf, oder sechs und mehr mit Blog?
  3. Wie ist dein technisches Vorwissen? Noch nie eine Seite gebaut, schon mal einen Baukasten genutzt, oder traust du dir zu, mit klaren Anweisungen an eine KI zu arbeiten?
  4. Wie viel Zeit willst du investieren? Ein Wochenende, ein paar Abende über zwei bis drei Wochen, oder darf es laufend wachsen?
  5. Soll die Seite langfristig wachsen – oder reicht eine schlanke, fertige Seite?
  6. Was darf sie laufend kosten? Nur die Domain, bis 10 €/Monat, oder bis 30 €/Monat?
  7. Sammelst du personenbezogene Daten? Kontaktformular, Terminbuchung, Gesundheits- oder Biografieangaben?

So hängen die Antworten zusammen:

Deine LageWahrscheinlicher Weg
Wenig Zeit, wenig Vorwissen, schlanke SeiteA
Wachstum über Google geplant, Datenschutz wichtig, Zeit vorhandenB
Sehr designorientiert, wenig TextC
Es läuft schon etwas BrauchbaresD
Mehrere anspruchsvolle Dinge gleichzeitig, wenig Zeitsiehe Notausgang

Der häufigste Widerspruch: „Ich habe kaum Zeit“ und gleichzeitig „die Seite soll über einen Blog bei Google wachsen“. Das passt nicht zusammen. Ein Blog wirkt in Monaten, nicht in Wochen, und verlangt dauerhaft Arbeit. Wer diesen Widerspruch nicht auflöst, baut auf Weg B und hört nach dem dritten Artikel auf – mit dem schlechtesten Ergebnis aus beiden Welten.

Die drei Pflichtdinge — in 20 Minuten erledigt

Jetzt der Teil, den alle aufschieben. Vorweg die gute Nachricht: Es sind drei Dinge, du brauchst dafür kein Gesetz zu lesen, und wenn sie einmal stehen, sind sie für Jahre abgehakt. Mit kostenlosen Generatoren dauert das Ganze etwa zwanzig Minuten.

Kurz zur Einordnung: Dieser Abschnitt ist keine Rechtsberatung. Er zeigt dir, was gebraucht wird und wie du es erledigst. Wenn du in einem geschützten Beruf arbeitest (Heilberufe, Recht, Steuern, Finanzen), über die Seite verkaufst oder Gesundheitsdaten erhebst, lass die Texte anwaltlich prüfen.

1. Impressum — wer steckt dahinter?

Wer geschäftlich auftritt, muss sagen, wer er ist und wie man ihn erreicht. Das gilt auch, wenn du allein arbeitest, und auch nebenberuflich.

Hinein gehören: dein vollständiger Name, eine echte Anschrift (ein Postfach reicht nicht — wer von zu Hause arbeitet, gibt die private Adresse an), deine E-Mail-Adresse und ein zweiter schneller Kontaktweg, meistens die Telefonnummer. Bei Gesellschaften kommen Rechtsform, Vertretungsberechtigte und Registerangaben dazu.

Zwei Fehler passieren besonders oft. Der erste: Statt der Umsatzsteuer-Identifikationsnummer wird die Steuernummer angegeben — die gehört dort nicht hin und sollte auch aus Eigeninteresse nicht öffentlich stehen. Der zweite betrifft fast jede ältere Seite: Viele Impressen berufen sich noch auf das Telemediengesetz. Das wurde im Mai 2024 abgelöst, der Verweis geht also ins Leere. Wenn du eine bestehende Seite hast, ist das der erste Punkt zum Prüfen.

Erstellen kannst du es kostenlos mit dem Impressum-Generator von e-recht24. Wichtig danach: Das Impressum muss von jeder Seite in höchstens zwei Klicks erreichbar sein — der Fußbereich ist der übliche Platz — und der Link sollte auch „Impressum“ heißen.

2. Datenschutzerklärung — welche Daten fließen wohin?

Sobald Daten deiner Besucher verarbeitet werden, musst du sagen welche und wozu. Das passiert praktisch immer, allein durch die Adresse, die jeder Browser beim Aufruf hinterlässt.

Auch hier gibt es einen kostenlosen Generator, datenschutz-generator.de. Der kann allerdings nur abbilden, was du ihm sagst — und genau da liegt die Stolperfalle: Die meisten wissen gar nicht, was ihre Seite alles lädt.

So findest du es in zwei Minuten heraus, ohne Fachwissen: Öffne deine Seite, drücke F12, wechsle auf den Reiter „Netzwerk“ und lade neu. Jede fremde Adresse, die dort auftaucht — etwa fonts.googleapis.com, youtube.com oder googletagmanager.com — bekommt Daten deiner Besucher und gehört in die Erklärung. Oder sie fliegt raus, was oft der sauberere Weg ist.

Ein Sonderfall, der in Deutschland zu einer regelrechten Abmahnwelle geführt hat: eingebundene Google-Schriftarten. Werden die von Google-Servern geladen, geht die Adresse deiner Besucher ungefragt an Google. Die Lösung ist technisch, nicht juristisch — die Schriften einfach auf dem eigenen Server ablegen. Bei WordPress erledigt das ein Plugin, bei Baukästen fragst du den Support.

3. Cookie-Hinweis — brauchst du wahrscheinlich gar keinen

Die überraschendste gute Nachricht in diesem Abschnitt: Viele kleine Webseiten brauchen keinen Cookie-Banner. Ein Banner, den man nicht braucht, kostet nur Besucher und wirkt unprofessionell.

Setzt du nur das ein, was technisch nötig ist — damit die Seite überhaupt funktioniert, etwa eine Spracheinstellung oder Sicherheitsfunktionen —, brauchst du keine Einwilligung. Ein Hinweis in der Datenschutzerklärung genügt. Bei einer schlanken Seite mit Kontaktformular und ohne Besucherstatistik ist das der Normalfall.

Einen Banner brauchst du erst, sobald Statistik-Werkzeuge dazukommen oder externe Inhalte beim Aufruf mitgeladen werden — eingebettete Videos etwa oder eine Karte. Dann muss er allerdings echten Anforderungen genügen, und daran scheitern die meisten: Auf der ersten Ebene müssen zwei gleichwertige Schaltflächen stehen, „Alle akzeptieren“ und „Alle ablehnen“. Ein Ablehnen, das man erst unter „Einstellungen“ findet, zählt nicht — und ein großer bunter Ja-Knopf neben einem blassen grauen Nein-Link ist keine echte Wahl.

Der häufigste technische Fehler dabei: Der Banner wird angezeigt, aber das Statistik-Werkzeug läuft längst. Prüfen kannst du das mit demselben F12-Trick von oben — wenn schon vor deinem Klick Anfragen an google-analytics.com rausgehen, ist der Banner reine Dekoration.

Der Datenschutz-Haken bei US-Baukästen

Wix, Squarespace, Shopify und Webflow verarbeiten Daten ganz oder teilweise außerhalb der EU. Dazu kursiert viel Halbwissen in beide Richtungen – „völlig verboten“ ist genauso falsch wie „alles kein Problem“.

Der Stand: Seit 2023 gibt es das EU-US Data Privacy Framework. Zertifizierte US-Unternehmen gelten damit als angemessenes Datenschutzniveau, die Übermittlung ist grundsätzlich zulässig. Der Haken ist die Geschichte: Die beiden Vorgängerabkommen, Safe Harbor und Privacy Shield, wurden beide vom Europäischen Gerichtshof gekippt. Ob das aktuelle Abkommen in drei Jahren noch gilt, kann dir niemand seriös sagen.

Praktisch heißt das:

Deine SituationEinschätzung
Reine Visitenkartenseite, kein FormularUS-Baukasten vertretbar
Kontaktformular mit normalen Angabenvertretbar, EU-Anbieter ist der ruhigere Weg
Gesundheits- oder andere sensible DatenEU-Anbieter nehmen
Regulierter BerufEU-Anbieter, Texte anwaltlich prüfen lassen

EU-Alternativen mit demselben Bedienkomfort gibt es: Jimdo (Hamburg), IONOS MyWebsite (deutsche Server), Webador (Niederlande) – oder WordPress bei einem deutschen Hoster wie All-Inkl, Hetzner oder Raidboxes.

Und unabhängig vom Anbieter: Schließe den Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV) ab. Alle genannten Anbieter stellen einen bereit, meist als Häkchen im Kundenkonto. Ohne ihn fehlt die Grundlage, egal wo die Server stehen. Wie du Anbieter grundsätzlich auf Datenschutz prüfst, haben wir ausführlicher in unserem Überblick zu DSGVO-konformen KI-Tools beschrieben – die vier Kriterien dort gelten für Baukästen genauso wie für KI-Werkzeuge.

💡 Unsere Empfehlung, offen gesagt: Wir setzen selbst seit vielen Jahren auf IONOS als deutschen Marktführer. Bei einem Hoster zählt für uns Kontinuität mehr als der niedrigste Preis im ersten Jahr — gerade günstige Billiganbieter verschwinden nach ein paar Jahren wieder vom Markt, und dann steht ein ungeplanter Umzug samt Ausfallrisiko an. Das ist unsere persönliche Erfahrung, kein neutraler Test — vergleiche vor deiner Entscheidung trotzdem selbst, was zu deinem Budget und deinen Anforderungen passt.

Bevor du live gehst: die Kurz-Checkliste

  • Kein Blindtext und keine Platzhalterbilder mehr auf der Seite
  • https aktiv, Seite mit und ohne www. erreichbar
  • Kontaktformular getestet – Testnachricht abgeschickt und im Postfach angekommen, auch im Spam-Ordner nachgesehen
  • Alle Seiten am echten Handy angesehen, nicht nur in der Vorschau
  • Bilder vor dem Hochladen verkleinert – ein 4-MB-Handyfoto gehört nicht auf eine Webseite
  • Impressum und Datenschutzerklärung von jeder Seite in maximal zwei Klicks erreichbar
  • Bei WordPress: „Suchmaschinen davon abhalten, diese Website zu indexieren“ wieder ausgeschaltet (Einstellungen → Lesen)
  • Bei der Google Search Console angemeldet und Sitemap eingereicht

Der vorletzte Punkt ist der mit Abstand häufigste Grund dafür, dass eine fertige Seite bei Google nicht auftaucht – teils monatelang.

Und wenn die Seite steht: Sichtbar wird sie damit noch nicht automatisch. Wie du danach vorgehst, damit dich Google und KI-Suchmaschinen überhaupt finden, steht in unserem Artikel zur KI-Sichtbarkeit.

Wann du es besser nicht selbst machst

Es gibt Konstellationen, in denen Selbermachen die falsche Entscheidung ist. Willst du mehrere anspruchsvolle Dinge gleichzeitig – einen echten Shop und ein Terminbuchungssystem und Mehrsprachigkeit – und hast gleichzeitig wenig Zeit oder Vorwissen, dann ist die ehrliche Antwort: Gib zumindest einen Teil ab.

Das muss nicht die ganze Seite sein. Ein einzelnes komplexes Gewerk gezielt an eine Freelancerin oder einen Freelancer zu geben und den Rest selbst zu bauen, ist oft die beste Lösung – deutlich billiger als der Komplettauftrag und deutlich realistischer als der Alleingang.

Dasselbe gilt, wenn deine Seite gehackt wurde oder Daten aus einem alten System übernommen werden müssen. Das sind Fachaufgaben.

Fazit

Wer eine Webseite mit KI erstellen will, sollte nicht mit der Werkzeugwahl anfangen, sondern mit sieben Fragen zur eigenen Lage. Aus den Antworten ergibt sich fast von selbst einer von vier Wegen – vom schlanken Baukasten in gut fünf Stunden bis zu WordPress in zwanzig.

Drei Dinge entscheiden dann über Erfolg oder Abbruch: ein Umfang, der zur verfügbaren Zeit passt; Texte, die vor der Technik geplant werden; und das Rechts-Pflichtprogramm, das von Anfang an mitgedacht wird statt nachgeschoben.

Und die unbequemste Erkenntnis zum Schluss: Manchmal lautet die richtige Antwort, die bestehende Seite zu behalten und nur die Inhalte zu verbessern. Das ist kein Rückschritt – das ist eine Entscheidung, die dir zwanzig Stunden spart.

Du willst das nicht selbst zusammensuchen?

📍 Wo stehst du im KI-Fahrplan? Dieser Artikel deckt Etappe 1 — Gefunden werden im KI-Fahrplan ab.

Häufige Fragen

Kann ich mit KI wirklich eine professionelle Webseite ohne Programmierkenntnisse erstellen?

Ja. Drei der vier beschriebenen Wege kommen ohne eine Zeile Code aus. Auch WordPress verlangt kein Programmieren, sondern Geduld. Die Grenze liegt nicht bei der Gestaltung, sondern bei Sonderfunktionen wie Shops mit komplexer Zahlungsabwicklung oder Buchungssystemen mit vielen Regeln.

Wie lange dauert es wirklich, eine Webseite mit KI zu erstellen?

Je nach Weg fünf bis zwanzig Stunden für die erste Version – inklusive Texte, Rechtliches und Start-Check, nicht nur fürs Bauen. Angaben wie „in 30 Minuten fertig“ beziehen sich auf den ersten automatisch erzeugten Entwurf – nicht auf eine Seite mit eigenen Texten, geprüftem Rechtsteil und funktionierendem Formular.

Brauche ich einen Bezahltarif bei ChatGPT oder Claude?

Nein, die kostenlosen Zugänge reichen. Ein Bezahltarif liefert längere und etwas durchdachtere Antworten, ist aber keine Voraussetzung.

Brauche ich als Solo-Selbstständiger wirklich ein Impressum?

Ja. Die Pflicht gilt für jedes geschäftsmäßige Angebot – unabhängig von Rechtsform, Umsatz und davon, ob du das haupt- oder nebenberuflich machst. Und eine echte Anschrift gehört dazu: Wer von zu Hause arbeitet, gibt die private Adresse an, ein Postfach genügt nicht.

Brauche ich einen Cookie-Banner?

Nur, wenn du mehr als technisch notwendige Cookies einsetzt. Eine schlanke Seite mit Kontaktformular und ohne Analyse-Werkzeug kommt in der Regel ohne aus. Sobald Statistik-Werkzeuge oder eingebundene Videos und Karten dazukommen, brauchst du eine Einwilligung.

Ist Wix DSGVO-konform?

„DSGVO-konform“ ist kein geschütztes Siegel – jeder Anbieter darf es auf seine Startseite schreiben. Wix verarbeitet Daten teilweise außerhalb der EU. Für eine schlichte Visitenkartenseite ist das vertretbar; sobald sensible Daten dazukommen, ist ein EU-Anbieter der Weg mit den wenigsten offenen Fragen. In jedem Fall gehört ein Auftragsverarbeitungsvertrag dazu.

Muss ich alles selbst klicken, oder kann die KI das übernehmen?

Mit den kostenlosen Zugängen erklärt dir die KI jeden Schritt, klicken musst du selbst. Kostenpflichtige Varianten können im Browser selbst arbeiten – sie melden sich in deinem WordPress an und nehmen die Einstellungen vor, während du zusiehst und jederzeit stoppen kannst. Für weniger technikaffine Nutzer ist das der größte Zeitgewinn im ganzen Projekt.

Was kostet eine Webseite laufend?

Die Domain etwa 10 bis 20 € im Jahr. Dazu je nach Weg ein Baukasten ab rund 10 €/Monat oder WordPress-Hosting ab etwa 5 €/Monat.

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