Belege automatisieren: Dokumentenablage mit n8n und KI

Belege automatisieren mit KI – Dokumentenablage mit n8n

SOLONAUT.AI · 5. August 2026

Kurz vor der Umsatzsteuervoranmeldung dasselbe Bild: Rechnungen, die als PDF-Anhang in zehn verschiedenen E-Mails schlummern, Tankquittungen als Fotos in der Handy-Galerie, ein Google-Drive-Ordner „Belege 2026″ mit 47 Dateien namens Scan001.pdf bis Scan047.pdf. Wer Belege automatisieren will, muss dafür nicht zwangsläufig auf ein neues Abo-Tool umsteigen. In diesem Blueprint zeigen wir dir vier grundsätzliche Ansätze im Vergleich, ordnen ein, was ein selbstgebauter n8n-Workflow tatsächlich leisten kann (und was nicht) – und geben dir eine fertige Vorlage an die Hand, die Belege automatisch erkennt, sinnvoll benennt und einsortiert.

Warum Belege automatisieren?

Als Solopreneur führst du deine Buchhaltung meistens selbst – neben allem anderen. Wer Belege automatisieren möchte, gewinnt vor allem drei Dinge:

  • Kein Beleg-Rückstau mehr: Statt Belege wochenlang zu sammeln und dann in einer Sitzung alle auf einmal einzusortieren, landet jede neue Datei sofort korrekt benannt in der richtigen Ablage.
  • Eine echte Übersicht statt Dateiwust: Eine automatisch gepflegte Tabelle mit Datum, Lieferant, Betrag und Kategorie ersetzt das manuelle Durchklicken durch Dutzende PDFs, wenn der Steuerberater nach einer bestimmten Rechnung fragt.
  • Weniger Fehler bei der Übergabe: Konsistent benannte Dateien (2026-08-05_Software_n8nGmbH_49,00.pdf statt Scan023.pdf) lassen sich beim Import in die Buchhaltungssoftware oder bei der Übergabe an den Steuerberater deutlich schneller zuordnen.

Wichtig vorab: Es geht in diesem Artikel nicht darum, deine Buchhaltungssoftware zu ersetzen, sondern um den Schritt davor – vom eingehenden Beleg bis zur sauber einsortierten, beschrifteten Datei.

Vier Ansätze im Vergleich

Bevor wir in die technische Umsetzung einsteigen, lohnt sich ein Überblick: Für automatisierte Belegverarbeitung gibt es nicht nur eine Lösung, sondern vier grundsätzlich unterschiedliche Wege.

AnsatzBeispieleVorteileNachteile
All-in-One-BuchhaltungssoftwaresevDesk, Lexware Office (früher Lexoffice)Beleg-Erkennung direkt eingebaut, GoBD-konforme Archivierung inklusive, ein Tool für allesLaufendes Abo (ca. 8–35 €/Monat netto), Ordner-/Namensschema kaum individuell anpassbar
Spezialisierte Beleg-ErfassungGetMyInvoices, DextHolt Rechnungen zum Teil sogar automatisch aus Lieferanten-PortalenZusätzliches Abo obendrauf, meist nur Zubringer zu einer Buchhaltungssoftware
Eigener n8n-Workflow (dieser Blueprint)Selbstgebaut mit n8n + KIEinmalkauf statt Abo, volle Kontrolle über Ordner- und NamensschemaKeine automatische GoBD-Archivierung, Wartung liegt bei dir
Spezialisierte Dokumenten-Erkennungs-SoftwareRossum, Klippa, DocsumoSehr hohe Erkennungsgenauigkeit, Prüfprotokoll (Audit-Trail) für Firmen mit hohem BelegvolumenFür einzelne Solopreneure deutlich überdimensioniert, Preise auf Unternehmensebene

Unsere Einordnung: Für die meisten Solopreneure lohnt sich kein zusätzliches Abo nur für die Vorsortierung – vor allem, wenn ohnehin schon eine Buchhaltungssoftware oder ein Steuerberater im Spiel ist. Ein eigener n8n-Workflow übernimmt genau den Teil, der sonst Zeit frisst (erkennen, benennen, einsortieren), als Einmalkauf statt als weiteres Monatsabo – und lässt sich mit jeder bestehenden Buchhaltungslösung kombinieren.

Lexware Office und sevDesk: die beiden Programme im Detail

Die häufigste Rückfrage zu diesem Thema lautet in der Praxis nicht „wie baue ich mir das selbst?“, sondern: „Gibt es nicht einfach ein schlankes Programm, mit dem ich Belege per Handyfoto erfasse und sie Projekten zuordne – ohne gleich DATEV zu brauchen?“ Weil dabei fast immer dieselben zwei Namen fallen, schauen wir uns die beiden hier genauer an, statt sie nur in einer Tabellenzeile abzuhaken.

Kurz zur Namensverwirrung vorab, weil sie regelmäßig für Missverständnisse sorgt: Lexoffice heißt seit Ende 2024 „Lexware Office“ – gleiches Produkt, gleiche Verträge, nur unter der Dachmarke Lexware. Davon zu unterscheiden ist die ältere Desktop-Software „Lexware buchhaltung“, die anders funktioniert und anders lizenziert wird. Wenn jemand sagt „ich nutze Lexware“, ist im Alltag meistens Lexware Office gemeint.

KriteriumLexware OfficesevDesk
Beleg per Handyfoto erfassenIn allen Tarifen enthalten (S bis XL)Erst ab Tarif „Buchhaltung“ – im Rechnungs-Tarif nicht enthalten
Bankkonto anbinden, Zahlungen automatisch zuordnenIn allen Tarifen enthaltenErst ab Tarif „Buchhaltung“
Kostenstellen / Projekt-ZuordnungNicht vorhandenNur im Tarif „Buchhaltung Pro“
Preise (netto pro Monat)7,90 € (S) · 12,90 € (M) · 21,90 € (L) · 32,90 € (XL)11,90 € (Rechnung) · 25,90 € (Buchhaltung) · 34,90 € (Buchhaltung Pro); bei Jahreszahlung je rund 2–4 € günstiger
Dauerhaft kostenloser TarifNein, nur 30 Tage TestJa, bis 3 Rechnungen im Monat
Eigenes Geschäftskonto integriertJa – „Lexware Geschäftskonto“ für 9,90 € (Solo) bzw. 19,90 € (Plus) netto zusätzlichNein, nur Anbindung vorhandener Konten
Mehrere Firmen in einem ZugangNein – ein Account entspricht einer FirmaNein
Preise Stand September 2026, jeweils netto zzgl. Umsatzsteuer. Beide Anbieter gewähren zeitweise Rabatte für die ersten Monate.

Der Punkt, an dem die meisten hängen bleiben: die Projekt-Zuordnung

Ausgerechnet die Anforderung, die am häufigsten genannt wird – „ich will sehen, welche Kosten zu welchem Projekt gehören“ – ist bei beiden Anbietern die teuerste Zeile der Tabelle. Lexware Office bietet keine Kostenstellen- oder Projektzuordnung; diese Funktion steckt nur in den größeren Desktop-Produkten der Lexware-Familie. Bei sevDesk gibt es Kostenstellen ausschließlich im Tarif „Buchhaltung Pro“, also im teuersten. Wer echte Projektauswertungen braucht, sollte das vor der Toolwahl wissen: Es entscheidet über den Tarif, nicht über ein Häkchen in den Einstellungen.

Für viele reicht in der Praxis allerdings ein einfacherer Weg: Belege konsequent mit einem Projektkürzel im Dateinamen zu versehen und die Auswertung in einer Tabelle zu machen. Genau das erledigt der n8n-Workflow weiter unten nebenbei – er schreibt jeden erkannten Beleg mit Datum, Lieferant, Betrag und frei wählbarer Kategorie in eine Übersichtstabelle.

Aus der Praxis: Lexware Office mit integriertem Geschäftskonto

In einem Einzelunternehmen in unserem direkten Umfeld läuft seit längerem die Kombination aus Lexware Office und dem integrierten Lexware Geschäftskonto – mit deutlich positiver Bilanz. Belege werden unterwegs per Handyfoto erfasst, die Kontobewegungen laufen automatisch ein und werden größtenteils selbstständig den passenden Belegen zugeordnet. Ein Teil wird manuell nachkategorisiert, aber das ist Minutenarbeit statt Belegstapel. Wer aus einer Excel-Liste plus Sammelordner kommt, gewinnt hier spürbar Zeit.

Zwei Dinge gehören zur ehrlichen Einordnung dazu:

  • Der Preis in Kombination. Software und Konto werden getrennt berechnet. Tarif M plus Konto „Solo“ ergeben zusammen 22,80 € netto im Monat, also rund 27 € brutto. Das ist kein schlankes 8-Euro-Werkzeug mehr, sondern eine bewusste Investition in einen durchgehenden Ablauf.
  • Mehrere Firmen sind der wunde Punkt. Lexware Office ist nicht mandantenfähig: Ein Zugang entspricht genau einem Gewerbe. Wer zwei Unternehmen führt, braucht zwei getrennte Accounts mit zwei E-Mail-Adressen – und bekommt daraus keine gemeinsame Umsatzsteuervoranmeldung. Die muss manuell zusammengeführt und direkt über ELSTER abgegeben werden. Genau hier entsteht in der Praxis die meiste Nacharbeit.

Wenn du Lexware Office selbst ausprobieren möchtest: Der Anbieter lässt das Programm 30 Tage kostenlos und mit vollem Funktionsumfang testen – hier geht es zu Lexware Office*.

Auch sevDesk lässt sich vorab testen (14 Tage, kostenlos): hier geht es zu sevDesk*.

* Affiliate-Links (Lexware Office, sevDesk). Werbung: Provision für mich, keine Mehrkosten für dich. An der Einordnung ändert das nichts.

Was heißt das für deine Entscheidung?

  • Du willst raus aus Excel, hast ein Gewerbe und brauchst keine Projektauswertung: Lexware Office S oder M deckt Beleg-Foto, Bankabgleich und Umsatzsteuervoranmeldung ohne Aufpreis ab.
  • Du brauchst echte Kostenstellen und Projekte: Dann führt der Weg zu sevDesk „Buchhaltung Pro“ – oder du löst die Projektzuordnung bewusst außerhalb der Buchhaltung über Ablage und Übersichtstabelle.
  • Du führst mehrere Firmen: Keines der beiden Programme nimmt dir die Konsolidierung ab. Plane die Umsatzsteuer als manuellen Schritt ein oder sprich vorher mit deinem Steuerberater.
  • Du bist mit deiner Buchhaltung zufrieden und willst nur die Vorsortierung loswerden: Dann brauchst du kein neues Abo, sondern genau den Workflow, den wir unten bauen.

Wichtig: Diese Programme und der Blueprint aus diesem Artikel schließen sich nicht aus. Der Workflow ersetzt keine Buchhaltungssoftware – er sorgt dafür, dass Belege sauber benannt und einsortiert ankommen, egal ob sie danach in Lexware Office, in sevDesk oder direkt beim Steuerberater landen.

Was die Automatisierung nicht ersetzt: GoBD kurz eingeordnet

Ein wichtiger Punkt vorab, damit hier keine falschen Erwartungen entstehen: Für digitale Buchführung in Deutschland gelten die GoBD (Grundsätze zur ordnungsmäßigen Führung und Aufbewahrung von Büchern, Aufzeichnungen und Unterlagen in elektronischer Form), festgelegt vom Bundesfinanzministerium. Kurz zusammengefasst verlangen sie unter anderem eine unveränderbare, vollständige und zeitgerechte Archivierung über die gesetzliche Aufbewahrungsfrist von derzeit acht Jahren.

Der Workflow in diesem Artikel übernimmt die Vorsortierung: Belege erkennen, sinnvoll benennen, in Ordnern ablegen, in einer Tabelle erfassen. Die rechtssichere Langzeitarchivierung im GoBD-Sinn ist damit nicht automatisch erledigt – dafür bleibt entweder deine bestehende Buchhaltungssoftware (die das in der Regel eingebaut hat) oder ein sauber dokumentiertes eigenes Verfahren zuständig. Wir weisen das hier bewusst so direkt aus, statt mehr zu versprechen, als die Vorlage tatsächlich leistet.

Was du für diesen Blueprint brauchst

Du brauchst keine Programmierkenntnisse, aber drei Bausteine:

  1. n8n – das Automatisierungstool, das neue Belege erkennt, an die KI übergibt und einsortiert. Wie du n8n grundsätzlich einrichtest, zeigt unsere n8n Anleitung für Einsteiger.
  2. Einen Google-Drive-Ordner als Eingang – dorthin lädst du (oder eine Scan-App auf deinem Handy) neue Belege hoch.
  3. Einen Claude-API-Key – wir nutzen Claude von Anthropic, weil es sich für das zuverlässige Extrahieren strukturierter Daten aus unterschiedlich formatierten Belegen bewährt hat.

Wichtige Klarstellung, weil das oft durcheinandergeht: Der Chat auf claude.ai (das Abo „Claude Pro“) und die Claude-API sind zwei komplett getrennte Produkte. Für diesen Blueprint brauchst du kein Claude Pro, sondern nur einen API-Key, den du nach tatsächlicher Nutzung bezahlst (meist Cent-Beträge pro Beleg).

So kommst du an deinen API-Key:

  1. Öffne console.anthropic.com und lege ein Konto an.
  2. Hinterlege im Bereich „Billing“ eine Zahlungsmethode (meist ist eine Mindestaufladung von rund 5 $ nötig).
  3. Klicke links im Menü auf „API Keys“ → „Create Key“, vergib einen Namen und kopiere den Schlüssel sofort.
  4. Bewahre den Key sicher auf (z. B. in einem Passwort-Manager). In n8n trägst du ihn in Schritt 2 als Zugangsdaten ein.

Wenn du erst überlegst, ob KI-Automatisierung überhaupt zu deinem Business passt, lies vorab unseren Einstiegsguide zur KI-Automatisierung – die Grundprinzipien gelten branchenübergreifend.

Der Workflow im Überblick

Die Logik in fünf Schritten – genau diese Kette bauen wir gleich nach:

  1. Auslöser: Eine neue Datei landet im überwachten Google-Drive-Ordner.
  2. KI-Extraktion: Ein KI-Baustein liest den Beleg und erkennt Kategorie, Lieferant, Datum, Betrag und Mehrwertsteuer.
  3. Umbenennen: Ein Code-Baustein erzeugt daraus einen sprechenden Dateinamen nach festem Schema.
  4. Einsortieren: Die Datei wird automatisch in den passenden Jahres-/Kategorie-Ordner verschoben.
  5. Protokollieren: Eine neue Zeile in einer Google-Sheets-Tabelle hält Datum, Lieferant, Betrag, Kategorie und einen Link zur Datei fest – deine Übersicht für den Steuerberater.

Schritt für Schritt: Den Dokumenten-Autopiloten bauen

Ein kurzer Begriff vorab: In n8n besteht jeder Workflow aus Nodes (Bausteinen). Einen neuen Node fügst du über das Plus-Symbol hinzu, tippst den Namen des gesuchten Bausteins ein (z. B. „Google Drive“ oder „Code“) und klickst das passende Ergebnis an.

Schritt 1 – Den Google-Drive-Trigger einrichten

Lege einen neuen, leeren Workflow an. Füge als ersten Baustein „Google Drive Trigger“ hinzu (Suche: „Google Drive Trigger“), verbinde dein Google-Konto und wähle als Ereignis „File Created“ sowie den Ordner, den du als Beleg-Eingang nutzen willst (z. B. „Belege-Eingang“). Dieser Baustein prüft n8n-intern regelmäßig, ob eine neue Datei im Ordner liegt, und startet den Workflow dann automatisch – du musst nichts anklicken.

Warum Google Drive statt E-Mail-Postfach? Ein überwachter Ordner ist vorhersehbarer und einfacher nachzuvollziehen als ein E-Mail-Postfach: Du siehst jederzeit auf einen Blick, was noch unbearbeitet ist, und musst kein IMAP-Passwort in n8n hinterlegen. Bekommst du Rechnungen meist per Mail, lädst du den Anhang einfach kurz in den Ordner hoch (oder richtest dir dafür eine automatische Weiterleitung deines E-Mail-Programms in den Drive-Ordner ein).

Schritt 2 – Die KI-Extraktion bauen

Füge einen HTTP Request-Baustein hinzu (Suche: „HTTP Request“) – er schickt die neue Datei an die Claude-API und holt strukturierte Daten zurück. Trage ein:

  • Method: POST
  • URL: https://api.anthropic.com/v1/messages
  • Authentication: „Generic Credential Type“ → „Header Auth“ → „Create New Credential“. Header-Name x-api-key, Wert dein API-Key.
  • Unter „Send Headers“ zwei weitere Header ergänzen: anthropic-version mit Wert 2023-06-01 sowie content-type mit Wert application/json.
  • Im JSON-Body die Datei mitschicken und die KI klar anweisen, ausschließlich ein JSON-Objekt mit den Feldern kategorie, lieferant, datum, betrag und mwst zurückzugeben.

Tipp: Je konkreter der Prompt beschreibt, welche Kategorien es gibt (z. B. „Software“, „Reisekosten“, „Büromaterial“, „Sonstiges“) und wie Datum/Betrag formatiert sein sollen, desto zuverlässiger wird die Erkennung. In der fertigen Vorlage (Abschnitt „Die fertige n8n-Vorlage“ unten) ist dieser Prompt bereits vorformuliert.

Schritt 3 – Dateinamen generieren

Füge einen Code-Baustein hinzu (Symbol </>). Er nimmt die JSON-Antwort aus Schritt 2 und baut daraus einen Dateinamen nach dem Schema YYYY-MM-DD_Kategorie_Lieferant_Betrag, zum Beispiel 2026-08-05_Software_n8nGmbH_49,00.pdf. Diesen Code musst du nicht selbst schreiben – er ist in der fertigen Vorlage bereits enthalten, du fügst ihn nur ein.

Kommt aus der KI ausnahmsweise kein sauberes JSON zurück, benennt dieser Baustein die Datei stattdessen mit dem Original-Dateinamen plus Zeitstempel, damit nichts verloren geht – du sortierst diesen einen Beleg dann eben von Hand nach.

Schritt 4 – Automatisch einsortieren

Füge einen Google Drive-Baustein hinzu (Operation: „Move File“). Er verschiebt die umbenannte Datei in den passenden Unterordner – z. B. Belege/2026/Software/. Die Ordnerstruktur (Jahr → Kategorie) legst du beim ersten Einrichten einmal in Google Drive an, danach übernimmt der Workflow das Einsortieren.

Schritt 5 – In der Übersicht protokollieren

Füge einen Google Sheets-Baustein hinzu (Operation: „Append Row“) und trage die Felder aus Schritt 2 ein: Datum, Lieferant, Betrag, Kategorie, dazu den Link zur Datei aus Schritt 4. So entsteht bei jedem neuen Beleg automatisch eine neue Zeile – am Quartalsende hast du eine fertige Übersicht, statt sie erst zusammenstellen zu müssen.

Optional – Schritt 6: Ein zusätzlicher Send-Email-Baustein kann dir bei Bedarf eine kurze Bestätigung schicken, sobald ein Beleg verarbeitet wurde – für die meisten reicht die laufend wachsende Tabelle als Nachweis, ganz ohne zusätzliche Mails.

Praxisbeispiel: Eine Tankquittung wird zur sauberen Ablage

Du fotografierst nach einer Kundenfahrt eine Tankquittung mit dem Handy und lädst das Foto in deinen Belege-Ordner hoch. So durchläuft sie den Workflow:

  1. Der Google-Drive-Trigger erkennt die neue Datei innerhalb weniger Minuten.
  2. Die KI-Extraktion liest Datum, Tankstelle, Betrag und Mehrwertsteuer aus dem Foto.
  3. Der Code-Baustein benennt die Datei um in 2026-08-05_Reisekosten_AralTankstelle_62,40.pdf.
  4. Die Datei wird automatisch nach Belege/2026/Reisekosten/ verschoben.
  5. Eine neue Zeile erscheint in deiner Übersichts-Tabelle – bereit für die nächste Steuerberater-Übergabe.

Gesamtaufwand für dich: das Foto hochladen. Den Rest übernimmt der Workflow.

DSGVO: Worauf Solopreneure achten müssen

Rechnungs- und Belegdaten sind sensibler als reine Marketingtexte – sie können Personenbezug enthalten (Ansprechpartner beim Lieferanten, Reisekosten mit Namen, Bewirtungsbelege mit Gästen). Deshalb hier konkret statt vager „Datenschutzhinweise prüfen“:

  • AVV automatisch inklusive: Sobald du die kostenpflichtige Claude-API nutzt (genau der Weg aus diesem Blueprint), ist ein Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV) mit EU-Standardvertragsklauseln automatisch Teil von Anthropics Geschäftsbedingungen – nachzulesen im Anthropic Privacy Center. Du musst dafür nichts extra unterschreiben.
  • EU-Alternative für sensiblere Fälle: Verarbeitest du besonders sensible Belege (z. B. Gesundheitsausgaben, Gehaltsabrechnungen), kannst du in Schritt 2 auf einen EU-gehosteten Anbieter wie Mistral umsteigen – das Format ist OpenAI-kompatibel, du tauschst nur URL und Modellnamen, der Rest des Workflows bleibt unverändert.
  • n8n möglichst selbst hosten: Läuft n8n bei dir lokal oder auf einem eigenen Server statt in einer fremden Cloud, bleiben die Belegdaten während der Verarbeitung in deiner eigenen Infrastruktur.
  • Aufbewahrungsort der Originale klären: Google Drive ist für die Vorsortierung praktisch, aber prüfe, ob dein Drive-Konto (privat oder Workspace) zu deinen sonstigen Datenschutz-Vorgaben passt – besonders wenn du ohnehin schon eine Buchhaltungssoftware mit EU-Hosting nutzt.

Welche KI-Tools für Solopreneure in Deutschland grundsätzlich unbedenklich sind, haben wir ausführlich in unserem Leitfaden DSGVO und KI-Tools zusammengefasst.

Die fertige n8n-Vorlage

Den Workflow von Grund auf zu bauen, ist machbar – kostet aber Zeit, vor allem beim zuverlässigen Extraktions-Prompt aus Schritt 2 und dem robusten Parsen aus Schritt 3. Genau das nimmt dir der Dokumenten-Autopilot zum Import ab – du trägst nur noch deine Google- und Claude-Zugangsdaten ein.

Dokumenten-Autopilot ansehen

Claude ist über die offizielle Anthropic-Plattform nutzbar, mehr dazu unter anthropic.com. Auch n8n ist quelloffen und in der Basis kostenlos, mehr dazu unter n8n.io* (ebenfalls Werbung, gleiche Konditionen).

Fazit

Belege automatisieren heißt für Solopreneure nicht, die eigene Buchhaltungssoftware zu ersetzen – sondern den mühsamsten Teil davor abzunehmen: erkennen, benennen, einsortieren, protokollieren. Ein eigener n8n-Workflow schafft genau das als Einmalkauf statt als weiteres Monatsabo, ohne dabei mehr zu versprechen, als er hält – die rechtssichere GoBD-Archivierung bleibt bewusst bei deiner Buchhaltungslösung oder deinem Steuerberater. Fang klein an: Richte zuerst die Erkennung für eine Kategorie ein (z. B. Software-Rechnungen), ergänze weitere Kategorien, sobald der Grundworkflow läuft.

📍 Wo stehst du im KI-Fahrplan? Dieser Artikel deckt Etappe 5 — Liefern & Abrechnen im KI-Fahrplan ab.

Häufige Fragen (FAQ)

Ersetzt der Dokumenten-Autopilot meine Buchhaltungssoftware?

Nein. Er übernimmt die Vorsortierung (Erkennen, Umbenennen, Einsortieren, Protokollieren) – die eigentliche Buchführung läuft weiterhin über deine gewohnte Software oder deinen Steuerberater.

Ist das Ergebnis GoBD-konform archiviert?

Nicht automatisch. Die Vorlage sortiert und benennt Belege sauber vor, ersetzt aber keine zertifizierte, unveränderbare Langzeitarchivierung im Sinne der GoBD. Dafür bleibt deine Buchhaltungssoftware oder ein eigenes dokumentiertes Verfahren zuständig.

Brauche ich Programmierkenntnisse?

Nein. n8n arbeitet mit visuellen Bausteinen (Nodes), die du per Drag-and-drop verbindest. Du musst keine Zeile Code schreiben.

Was kostet das laufend?

n8n ist in der Basis kostenlos (Open Source). Kosten entstehen für die Claude-API (meist Cent-Beträge pro Beleg) sowie je nach Hosting-Wahl für n8n selbst.

Funktioniert das auch mit Fotos von Papierbelegen?

Ja. Die KI-Extraktion liest sowohl PDF-Rechnungen als auch Fotos (z. B. von Tankquittungen), solange Betrag, Datum und Lieferant lesbar sind.

Kann ich die Kategorien an mein eigenes Ablageschema anpassen?

Ja. Kategorien, Ordnerstruktur und Dateinamen-Schema legst du beim Einrichten einmal fest – die Vorlage folgt danach genau deinem Schema statt eines starren Vorgabe-Systems.

Lexware Office oder sevDesk – was passt besser zu mir?

Beide erfassen Belege per Handyfoto und gleichen Bankumsätze automatisch ab. Der praktische Unterschied liegt in den Tarifen: Bei Lexware Office sind diese Funktionen in allen Versionen ab 7,90 € netto enthalten, bei sevDesk erst ab dem Tarif „Buchhaltung“. Dafür bietet sevDesk im Tarif „Buchhaltung Pro“ Kostenstellen für die Projektzuordnung, die Lexware Office gar nicht kennt. Wer ein Geschäftskonto direkt integriert haben möchte, findet das nur bei Lexware Office.

Kann ich mehrere Firmen mit einem Zugang abrechnen?

Nein. Lexware Office ist ausdrücklich nicht mandantenfähig – ein Account entspricht einer Firma. Für mehrere Gewerbe brauchst du mehrere Accounts mit unterschiedlichen E-Mail-Adressen. Eine gemeinsame Umsatzsteuervoranmeldung über mehrere Accounts hinweg ist nicht möglich: Sie muss manuell zusammengefasst und direkt über ELSTER abgegeben werden.

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